2010 Chateau Roc de Levraut, Bordeaux Supérieur

A sort of Homecoming

2010 Chateau Roc de LevrautEndlich wieder zu Hause seufzt so manche Zunge, wenn sie nach längerer Zeit des Erschmeckens und Entdeckens durch die große, weite Welt der Weine wieder mal von einem Bordeaux umspült wird. Keine Ahnung, woran das liegt, es ist einfach so. Der Roc de Levraut stammt aus einer Ecke des Bordelais ohne den ganz großen Klang. Das hat den Vorteil, dass man mit ihm einen überaus versiert gemachten Bordeaux zu einem sehr vernünftigen Preis erhält. Klassische Aromen roter Früchte, dazu etwas Schokolade, bereits erstaunlich weich und lang. Wunderbar zu Steak, Pasta und Käse.

 

0,75l Flasche gesehen für € 7,95 bei gute-weine.de (unverbindliche Angabe)


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2012 Nordheimer Kreuzberg Rivaner trocken

Form Follows Function

Der Bocksbeutel lässt sich in handelsüblichen Weinregalen nur schwer lagern. Dabei geht sein Ursprung auf ganz praktische, noch heute plausible Überlegungen zurück. So sollte durch diese Form u. a. verhindert werden, dass solch eine Flasche auf Nimmerwieder- sehen den Berg runterkullern kann. Ein Gedanke, der einem im Falle des Nordheimer Kreuzbergs geradezu entsetzlich erscheint, tummeln sich in diesem herrlichen Frankenwein doch die schönsten Aromen heimischer Obstsorten gepaart mit Kraft und Schmelz. Er passt wunderbar zu Fisch und Spargel oder aber auch, anstelle von Hagebuttentee, zum guten, alten Abendbrot. Bliebe eigentlich nur noch die Frage, warum sich das überlegene Design des Bocksbeutels fast ausschließlich nur in Franken durchsetzen konnte?

 

0,75l Flasche gesehen für € 6,30 bei Hawesko (unverbindliche Angabe)

©FB

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*KLUGSCHEISSEN LEICHT GEMACHT:

Rivaner ist eigentlich nur ein anderes Wort für Müller-Thurgau. Die zunehmende Umbenennung dieser Rebsorte in Deutschland hat vor allem Marketinggründe. Das Wort setzt sich zusammen aus Riesling und Silvaner, den Rebsorten, aus denen diese Traube vor über hundert Jahren gekreuzt worden sein soll. Erst vor kurzem hat man herausgefunden, dass hierbei jedoch nicht der Silvaner, sondern die Traubensorte Madeleine Royale mit dem Riesling vermendelt wurde. Was soll’s, Rideleine wäre in der Marktforschung sowieso durchgefallen.


2010 Chateau Pey La Tour

a hard day’s night

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Einer dieser Tage: die Frau auf einem verdienten Wellness-Kurzurlaub, der Babysitter krank, dazu Endstress im Job, zwischendurch noch den Müll zum Sport bringen, die Einkäufe von der Reparatur abholen und die Kinder jäten. Aber die Aussicht auf ein so richtig gutes Glas Rotwein zur Belohnung am Abend macht alles erträglich. Hm, da ist aber nur noch diese Fünf-Euro-Fuffzig-Pulle aus dem Supermarkt. Na gut, was soll’s?

Aber dann das: ein Bordeaux, wie gemalt, mit dem klassischen Aromenmix aus roten Früchten, feuchter Erde und etwas Schokolade, mit Charakter, Kraft und Länge. Mehr Bordeaux zu diesem Preis geht nicht. Mit der Welt wieder versöhnt blättere ich in einer Zeitschrift und stolpere dabei über eine buddhistischen Weisheit:

Hab’ Geduld mit jedem Tag deines Lebens. Werd’s mir merken.

 

0,75l Flasche gesehen für € 5,49 bei Rewe (unverbindliche Angabe)


Keine Angst vor Schraubverschlüssen!

schön aufgedreht!

Kork ist als Verschlußmaterial für Weinflaschen nach wie vor das Non-Plus-Ultra, weil er die Flasche zuverlässig abdichtet, dabei aber dennoch den Luftaustausch zulässt. Dank dieser Eigenschaft wird lagerfähigen Weinen die Entwicklung und Intensivierung bestimmter Aromen überhaupt erst möglich. Aber Kork ist ein Naturprodukt, das nicht ständig in unbegrenzter Menge und Qualität zur Verfügung steht. Minderwertige Korken sind anfällig für Fäule, was häufig zu einem irritierenden Beigeschmack führt, der bekanntermaßen an nassen Hund auf Autositz erinnert.

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Weine, die jung, also in den ersten Jahren nach der Lese getrunken werden wollen, sind mit einem vernünftigen Drehverschluß daher bestens ausgestattet. Das trifft auf sehr viele Weißweine, aber durchaus auch auf einige Rote zu.

Einen Riesling, Grauburgunder oder Sauvignon Blanc aus einer Flasche mit Schraubverschluss anzubieten ist daher völlig in Ordnung und gilt nicht länger als sicheres Indiz für Geiz oder sittliche Verrohung.


2011 Johanniter trocken (Bio) Weingut Zähringer, Baden

lecker Gene

Auch die Wahl der richtigen Rebsorte kann den Einsatz von Chemie im Weinberg entbehrlich machen. Johanniter ist eine gegen Pilzbefall äußerst resistente Kreuzung aus vier Rebsorten, darin Riesling und Grauburgunder. Dem zuletzt genannten verdankt sie ihre Fülle und ihren Schmelz, dem ersten ihre Frucht und Mineralität. Ein schlaues Ding also diese Traube, noch dazu mit exquisitem Geschmack – Kann man auch nicht über jede/n sagen.

Der 2011er von Zähringer, ein Weinbaubetrieb mit Demeter-Zertifikat, dem strengsten deutschen Bio-Siegel, besitzt einen feinen Zitrusduft. Seine Aromen erinnern an grüne Äpfel, an Stachelbeere und an Heu. Passt gut zu Vorspeisen, Fisch und vegetarischen Gerichten, aber auch zu Kettle Sea Salt Chips und ‘ner Kochshow.

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0,75l Flasche gesehen für € 7,99 bei Alnatura (unverbindliche Angabe)


2011 Lagrein Grieser, Kellerei Bozen, Südtirol

kennt kein schwanz  

 

Nein, bei diesem Wein gibt’s weder Gegriesel im Glas, geschweige denn irgendwas zum Greinen. Gries ist vielmehr ein Stadtteil Bozens, der an mehrere Weinberge angrenzt. Nicht wenige davon sind mit Lagrein bepflanzt, einer uralten, rein Südtiroler Rebsorte.

Der 2011er der Kellerei Bozen ist ein duftiger, würziger, beeriger, schokoladiger, eleganter, samtiger, charaktervoller, ja fast schon seligmachender Roter. Nicht zu fassen, dass dieser Wein außerhalb seines Anbaugebiets so wenig bekannt ist, Aber sonst wär’s ja auch kein Geheimtipp mehr.

 

0,75l Flasche gesehen für € 9,50 bei www.la-bottiglia.de (unverbindliche Angabe)


2011 Gutedel trocken, WG Britzingen, Markgräflerland

Goethe gut gekühlt

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Edel sei der Mensch, hilfreich und gut, gab oben genannter als Lebensmotto aus. Zwei dieser Attribute vereint der Gutedel bereits in seinem Namen. Dem dritten, nämlich hilfreich, wird er an den nahrungsintensiven Feiertagen gerecht. Nicht von ungefähr ist diese Rebsorte unter dem Namen Chasselas in der für leichte Kost eher unverdächtigen Schweiz am meisten verbreitet.

Gut verträglich, frisch und animierend, dabei angenehm säurearm und moderat im Alkoholgehalt. All das trifft auch auf den 2011er aus Britzingen zu. Er duftet nach Pfirsich und Birne, ist wunderbar süffig und absolut rund. Ein Kühlschrank-Must-Have für die letzten Wochen des Jahres.

 

 

0,75l Flasche für € 5,95 bei Rindchen’s Weinkontor (unverbindliche Angabe)


Ach so geht das…

 

Irgendwie hat man ja schon immer geahnt, dass es so schwer doch eigentlich nicht sein kann, Rebenobst in trinkbaren Alkohol zu verwandeln. Hier kommt nun endlich eine leicht verständliche und vor allem überaus anschauliche Anleitung zum Nachmachen für Jedermann.

 

How to make wine – eine Illustration der amerikanischen Grafik Designerin Wendy Mac Naughton. Gesehen auf ihrer Homepage: wendymacnaughton.com


2009 Marqués de Riscal Tempranillo 1860 Roble

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Stiertinte vom Fass

Der Tinta de Toro ist eine wieder entdeckte Urform der Tempranillo-Traube. Angereichert mit ein wenig Merlot und Shiraz entstand so ein intensiver, eleganter und vielschichtiger Rotwein, mit einem Abgang, gefühlt so lang wie der Abspann von einem Pixar-Film. Sechs Monate in kleinen Eichenfässern gereift, daher übrigens Roble (=Eiche), zeigt dieser Wein eine tolle Balance aus roten Beerenfrüchten, Vanille und Röstaromen, Lakritz- und Rauchnoten. Ein beeindruckender Tempranillo aus dem ältesten Weingut des Rioja. Preislich würde man ihn Minimum ein Regal weiter oben vermuten. Passt nicht nur gut zu Tapas, sondern auch zu Lamm, Rinderfilet und Braten.

 

0,75l Flasche gesehen für € 7,49 bei Rewe (unverbindliche Angabe)